Sandra Dirks - apprenti

Wer von Ihnen hat das schon mal während einer Weiterbildung gesagt?

Vielleicht sagen Sie das auch bei jeder gut überlegten Weiterbildung. Aber diese tiefe gute Gefühl, hier wirklich richtig zu sein, den richtigen Weg zu gehen und mit dieser Weiterbildung auch in Zukunft Erfolg zu haben, das Gefühl habe ich bisher in dieser Intensität noch nie so sehr gespürt.

Ich habe viel gemacht, weil es einfach immer irgendwie wichtig für mich war. Klar, meine erste Trainerausbildung, damals 1998 zeigte einen neuen Meilenstein in meiner Entwicklung auf: Wie gestalte ich ein Seminar, in dem die Menschen lernen? Welche aktivierenden Methoden gibt es? Großer Spaß und ein definitiv neuer Weg, damals. Im Laufe der Zeit wollte ich aber mehr lernen.

FernUni Hagen, um die Theorie zu den Dingen zu erhalten, die ich nun beruflich den ganzen Tag machte. Sinnvoll, aber irgendwie auch ein bisschen komisch. Wieso soll ich Theorien diskutieren und in Frage stellen? Ich mach’ einfach mal. Man erklärte mir, das dies eben “wissenschaftliches Arbeiten” sei. “Ach so,” sagte ich, “dann ist das nicht mein Weg. Zu langweilig. Ich brauche da etwas anderes.”

Meine Mentorin während meiner Einarbeitung in meine Tätigkeit als Ausbildungsleiterin löst ein schweres gruppendynamisches Problem mit Pauken und Trompeten. Vortrefflich. Nächstes Ziel: Will ich auch können! Mein Arbeitgeber zahlt mir die Weiterbildung “Leiten und Beraten von Gruppen”.
Ich nehme da so instinktiv eine Menge Dinge mit, die mir erst Jahre später bewusst werden. Empfinde es aber anstrengend, dort hin zu fahren. Ich spüre kein Glücksgefühl und keine große Lust. Natürlich bringe ich es zu Ende. Ich nehme die Skills mit, die ich mir erhofft habe, erweitere den Werkzeugkasten. Die anderen Teilnehmer sind aber irgendwie ‘anders’. Ich nenne sie ‘weichgespült’ und habe seitdem ein Trauma in Bezug auf ‘sanfte’ Formulierungen. Sicher ist das, was hinter dem Konzept der ‘gewaltfreien Kommunikation’ steckt eine gute Idee. Aber in der reinen Form? Schon der Begriff löst bei mir Aggression pur aus. Wie ungesund. Dazu kommt, dass ich aus dieser Verknüpfung heraus Menschen erinnere, die einen komplett anderen Lebensstil als ich bevorzugen. So viel Toleranz ist mir zu anstrengend: “Du, das geht mir jetzt alles zu schnell.” – “Da müssen wir noch mal drüber-/ drunter schauen.” – “Was macht das mit Dir?” -
Ich schreibe mir fortan diese Fragen für Reflexion auf und übergebe mich innerlich, wenn ich ähnliche Sätze anwende. Nein, das ist irgendwie nicht richtig. Das bin ich nicht. Ich weiß es damals nicht besser: es ist nicht mein Weg. Ich streiche Coaching, Mentoring und Beratung aus meinem Weiterbildungsportfolio. Damals wusste ich nicht, dass man auch anders sein darf. Ich hatte wenig Erfahrung.

Dann kam das Thema ‘Outdoor’. Cool. Diese Methoden ermöglichen gerade in Bezug auf das Thema ‘Gruppendynamik’ schnelle Ergebnisse und es ist aktiver. Aktiver, als einfach in einem Raum zu sitzen und darauf zu warten, dass jemand etwas sagt. Auf geht’s in die Aktivität. Mein Arbeitgeber bezahlt mir eine Weiterbildung bei ‘Outward Bound’. Es geht wirklich zur Sache. Ich werde in den zwei Jahren mit meinen Ängsten konfrontiert und werde mutiger. Aber ich bin trotzdem wieder irgendwie anders. In einzelnen Kursen ein Außenseiter. Natur ist überhaupt nicht mein Ding. Das war immer schon klar. Die anderen gehen auch in ihrer Freizeit zelten und bewegen sich fernab der Zivilisation. Zwischendurch dachte ich, dass das eine gute Idee sei, mit dem Outdoordings. Aber man muss diese Elemente mögen. Segeln! Ja, klasse. Aber Wald und Wanderungen? Ich sehe es einfach als Tools an. Habe so eine zweijährige Phase, in der ich viel ausprobieren kann. Ich lerne viel über die Anleitung und die Auswertung von Problemlösungsaufgaben. Doch die Natur bleibt für mich Mittel zum Zweck. Das ist einfach nicht meine Welt gebt mir eine Stadt. Gebt mir eine Shoppingmeile, Fashion, Kosmetik, Farben. Später entdecke ich Metalog-Tools und bringe die Dinge aus der Natur in den Seminarraum. Das geht ganz gut. Passt auch gut zu meiner Zielgruppe. Mittlerweile habe ich das Thema ‘Team’ aus meinem Portfolio gestrichen. Ich habe dazu einfach keine Lust mehr. Das Wissen gibt mir Sicherheit, aber bitte kauft mir meine Metalog-Tools ab! Ich will andere Dinge tun. Keine Softskills mehr, sondern Hardfacts trainieren.

Dann finde ich eine Richtung, in der ich mich besser fühle: Schauspiel, Improvisation und später Comedy. Mit mir in den Kursen sitzen Schauspieler, Comedians und Fernsehleute. Ich entschuldige mich in den Vorstellungsrunden dafür, dass ich keine Schauspielerin bin. Oder an einer Uni irgendwas Publizistisches studiert habe. Fühle mich ein bisschen anders. Das macht aber nix, weil es den Leuten egal ist. Wir sind jeder mit uns mit unserer eigenen Entwicklung beschäftigt. Los geht’s. Weitere Tools also, die aber mal richtig Spaß machen. Die Rückmeldung der Dozenten ist alles andere als gewaltfrei. Nicht immer leicht zu ertragen. Aber hilfreich für meine positive Entwicklung.

Zwischendurch entdecke ich AL – Accelerated Learning, habe Spaß und werde sogar Lehrtrainerin.
Ein Blick zurück in mein 1. Seminar als Teilnehmerin am AL-Train-the-Trainer-Training. Fühle mich gut in der Gruppe, aber dann kommt der peinliche Moment, den ich nie vergessen werde. Aufgabe: “Warum sind Sie Trainer geworden und wofür sind Sie dankbar?” – Voller Energie melde ich mich als erste zu Wort: “Also ich bin Trainerin geworden, weil ich diese ganzen bunten Karten und Stifte und Farben toll finde. Ich bin dankbar, dass ich mit Bildern und lustigen Spielzeugen arbeiten darf und auf der Bühne stehen kann.” – Wenn ich damals vor sechs Jahren schon gewusst hätte, dass diese Aussage auch seine Berechtigung haben darf…
Schon als der nächste Teilnehmer seine Antwort gibt, beginne ich auf meinem Stuhl ganz klein zu werden: “Also ich bin Trainer geworden, weil ich Menschen beim Lernen helfen will und ich bin dankbar für blablabla.” So geht es weiter: “Ich bin Trainer geworden, weil ich es toll finde zu beobachten, welche Lernfortschritte meine Teilnehmer machen und ich bin dankbar für blablabla.” – Ich schäme mich ein bisschen und der Gedanke an diese Übung geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

So mache ich parallel noch viele weitere Kurse und erweitere meinen Methodenkoffer und meinen Erfahrungsschatz. Ich bin ein Weiterbildungsjunkie.

UND DANN KAM DER LETZTE MITTWOCH, 15. AUGUST 2012.
Ich bin Teilnehmerin in einem besonderen Kurs. Online. Der Kurs ist komplett auf Englisch. 41 Teilnehmerinnen von überall auf der Welt und ein paar davon habe ich schon fest ins Herz geschlossen. Ich bin hier richtig, aber so was von. Ich bin hier so richtig, wie bisher in keinem anderen Kurs. Wir haben tolle Diskussionen online (Diskussionen, ICH!) und ich habe bereits nach zwei Tagen einen Sack voll Inspiration, obwohl der Kurs noch sechs Wochen dauert. Ich buche gedanklich bereits ein bis zwei kleine Folgekurse und einen langen Kurs, der ein halbes Jahr dauert.

Um welchen Kurs es sich dabei handelt? Hm, das sage ich noch nicht. :-)

O.k., hier ein Bild unserer 1. praktischen Aufgabe:

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Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie ähnliches in Ihrer eigenen Entwicklung beobachtet?

 

 

1Antworten an Sonntagsgedanken: Hier gehöre ich hin, die sind genauso wie ich!"

  1. Britta sagt:

    Und wie schön zu sehen, alles hat seine Zeit, alles hat seinen Sinn….wundervoll! und gekauft..sehr gut! ich freue mich total mit dir..und daß ich ein kleiner Impuls darin bin :-)

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