Sandra Dirks - apprenti

Aktivierendes Lernen bringt schon mal Langeweile für Trainer?

Mir macht es Spaß Methoden einzusetzen. Ich plane meine Seminarabläufe sehr präzise.

Ich verbringe Stunden oder auch Tage damit, die Veranstaltungen zu konzipieren. Mit großer Begeisterung denke ich über Lernziele und Inhalte nach, wälze Methodenbücher und checke den jeweiligen Zeitbedarf. Manchmal arbeite ich auch noch mit Partnern am Konzept. Im nächsten Schritt gestalte ich FlipCharts und suche die Materialien zusammen, die beim aktivierenden Lernen nicht zu unterschätzen sind: Spiele, Karten, Papier, Bälle, Figuren, Stifte etc. etc. etc. Daran habe ich viel Spaß.

Dann kommt der Seminartag. Alles ist bereit, die Veranstaltung kann beginnen. Die Teilnehmer steigen auf das Programm voll ein. Ich beobachte die Teilnehmer, versuche mich aber zurückzuziehen, damit die Teilnehmer einzeln oder in der Gruppe entspannt arbeiten können. Bei manchen Aufgaben schicken mich die Teilnehmer auch einfach weg: alles ist geheim, die Auflösung erfolgt nach der abgesprochenen Zeit im Plenum. Na gut!
Bei der vorsichtigen Anfrage, ob nicht vielleicht doch jemand eine kleine, eine klitzekleine Frage habe, muss ich mich fast in Deckung bringen, um nicht mit Wurfgeschossen aus dem Raum vertrieben zu werden. Alles ist ja so geheim. ;-)
Manchmal schmolle ich dann herum: “Menno, mir is’ langweilig!” – Keine Chance, wenn die Aufgabe klar ist und die Teilnehmer arbeiten, dann muss ich mich in Geduld üben.

In der letzten Woche betrat ich morgens den Seminarraum und am Whiteboard stand einfach nur ein ‘Herzlich Willkommen’ – Das hatte jemand am Abend aufgeschrieben. Nette Idee, nicht schön ausgeführt, weil die Farben und Strichstärken für Whiteboard-Marker nur begrenzt sind, aber immerhin.

Während meine Teilnehmerinnen lautstark eine intensive Wiederholungsübung bearbeiteten (“Speed-Dating” – s. Blogposting XING-Wolfenbüttel), vervollständigte ich das Tafelbild. Die Teilnehmer fanden es lustig. Na bitte, frühlingsfrisch! ;-)

langeweile

Was machen Sie denn, während Ihre Teilnehmer so aktiv arbeiten, dass Sie überflüssig sind?

2Antworten an Aktivierendes Lernen bringt schon mal Langeweile für Trainer?"

  1. Avatar of Sandra Dirks Sandra Dirks sagt:

    Hallo Chris,

    noch mal vielen Dank für den Kommentar. :-)
    Wie, kein Training-Experte? Ich würde mal sagen: scheinbar auf dem besten Weg dorthin. Ich würde mir wünschen, dass sich einige selbsternannte ‘Training-Experten’ mit dem Thema Lernen und Gedächtnis beschäftigen, bevor sie einen Seminarraum betreten. Dies scheint Dir (ich sag’ einfach mal Du), sehr wichtig zu sein. Das ist eine gute und wichtige Grundlage.

    Mir geht es auch so, ich beobachte, was passiert. Je nach Thema hole ich dazu auch gerne die Kamera hervor, um einige aussagekräftige Fotos zu machen. Je mehr Erfahrung, desto klarer wird die Aussage des Fotos. Hier kann man sehr viel erkennen. Übrigens nicht nur bei gruppendynamischen Trainings oder Teamtrainings. Wobei ich hier schon gute Erfahrungen in Bezug auf die Auswertung gemacht habe. Manche Mimik verrät viel mehr, als gewünscht. Dabei ist hier die Auswertung erfahrungsgemäß wertvoller, als die Auswertung mit einem Video. Der ‘Interpretationsspielraum’ des jeweiligen Bildes ist sehr wertvoll und nicht zu unterschätzen.
    Ich mache mir während dieser Phasen auch gerne Markierungen oder Hinweise in meinen Ablaufplan, um für das nächste Mal ggf. die eine oder andere Methode einfach noch mal zu überdenken.

    Aber Hand aufs Herz: manchmal würden wir doch auch gerne mitmischen, oder? ;-)

  2. Chris sagt:

    Ich bin zwar kein Trainig-Experte, habe allerdings einige Seminare fürs Lernen und Gedächtnis mit Studenten meiner Universität (in Siegen wo ich selbst studiere) abgehalten.
    Das man sich in einem Seminar / Training nicht mehr “gefragt” fühlt ist ein Zeichen von guter Organisation, Vorbereitung und Durchführung. Das ist such ein Zechen der Kompetenz die man in dem Bereich erworben hat. Ich nutze dann die Zeit für eine intensive Beobachtung der Teilnehmer.
    Darunter verstehe ich nicht einfach nur gucken was sie so machen. Ich versuche Muster zu erkennen, wie handeln die Teilnehmer, wie bilden sich Gruppen, welche persönlichketen neigen zueinander oder zu einer Gruppe. Man könnte sagen, ich versuche die Teilnehmer mit einer Neugier zu beobachten, als ob das Seminar von mir zum ersten mal abgehalten wäre.
    Am meisten hilft es mir die Seminare zu verbessern, in dem ich die Ähnliche EReignisse oder CHaraktereigenschaften mit mir schon bekannten TEilnehmern aus anderem Semianren verbinde/ verknüpfe.

    Das ist dann wie ein Live-Gedächtnistraining für mich. Dabei kann ich also auch eine Menge lernen.

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